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Marianna Lenz |
| Einer der jüngeren
Grabsteine auf dem Peterskirchhof wurde dem Andenken der Marianna Lentz
gewidmet. Hier sind die näheren familiären Zu- und Umstände unbekannt,
denn Marianna stammte nicht aus Frankfurt. Im Jahr 1816 kam der Nürnberger Handelsmann Joseph Anton Lentz mit seiner jungen Frau aus Franken gezogen, um bei der Herbstmesse seine feinen Tuche anzubieten. Er wohnte in seinem Stammquartier unter der neuen Kräme bei Doctor Hoch. Im Messschema für das Jahr 1815 ist er aufgeführt mit Schweitzer Mousselins, Piqués, Cambretuch, Batist, Gaze und Manchester. Er hatte Schnupftücher, baumwollene Strümpfe und Kappen im Angebot, führte also fertige Waren und Stoffe am Ballen. Anton hatte das Geschäft von seinem Vater Johannes übernommen, der auch schon im Haus auf der Kräme logierte. |
| Joseph Anton erwarb das Grab von 6 1/2 Schuh Breite am 22. November 1816
von den Nachgeborenen Franz Ludwig Wallachers. Er hat seine Frau nur um
ein Jahr überlebt. Das Nürnberger Stadtarchiv konnte ermitteln, dass er
1817 aus dem Gewerbekataster der Stadt gestrichen wurde. Er wohnte in
St. Sebald No. 43. Ob ein Nachkomme den Strumpf- und Wollwarenhandel
Joseph Antons übernahm, ist unbekannt. Das hohe Denkmal in klassizistischen Formen wurde 1816 aufgestellt – in einer Zeit, als Napoleon die europäische Landkarte entscheidend verändert hatte. Für Frankfurt war nichts wie vorher. Der Wiener Kongress brachte zwar Frankfurt für eine weitere Wegstrecke die Unabhängigkeit, allein durch die Veränderungen im Umland und das Erlöschen der alten Privilegien waren die Möglichkeiten der Freien Stadt Frankfurt (ab 1814) erheblich beschnitten. Immerhin tagte der Bundestag im Palais Thurn und Taxis in der Großen Eschenheimer Gasse; Frankfurt bewahrte sich dadurch den Ruf einer heimlichen Hauptstadt. In der circa 40.000 Einwohner zählenden Stadt prallten moderne und traditionelle Kräfte aufeinander. Die Altbürger sahen gar nicht ein, sich in irgendeiner Weise den neuen Verhältnissen anzupassen – sie hatten nur zu verlieren. Die Zeit der berühmten Messen ging zu Ende. Das kam vor allem dadurch zum Ausdruck, dass immer mehr Händler nach Leipzig abwanderten. Das Grabmal stellt also auch ein letztes Monument der alten Messe- und Handelsgeschichte dar. |