Sanierung
 

   Gliederung


 

 

Sanierungskonzept

Aufwertung der Flächen

Sicherung des Denkmalbestandes

Herausarbeiten der typischen Merkmale des Friedhofs

Ergänzen des vorhandenen Materials

Konzept der bürgernahen Darbietung

Museumspädagogisches Konzept

Einordnung des Peterkirchhofs in seiner Bedeutung in Deutschland

Wissenschaftliche Auswertung

Mithilfe - Spenden

   Sanierungskonzept

Das Historische Museum hat zum Goethejubiläum 1999 die wissenschaftliche und konservatorische Zuständigkeit der Denkmäler des Peterskirchhofs übertragen bekommen. 
Bei dieser Aufgabe erhält das Historische Museum wirkungsvolle Unterstützung durch seinen Förderverein, die Historisch-Archäologische Gesellschaft Frankfurt am Main e. V., der die praktische, das heißt finanzielle Abwicklung der Renovierungsarbeiten besorgt, die mit Hilfe der zweckbestimmten Spendengelder vorgenommen werden können.
Klick vergrößert (Sanierungsarbeiten 2004) Spender sind bisher alteingesessene Frankfurter Bürger, Nachfahren von Bestatteten und Familienstiftungen. 
Zunächst hat das Museum mit Hilfe von Spenden die Gräber von Goethes Eltern und einige andere für die Stadtgeschichte besonders bedeutsame und kunsthistorisch wertvolle Grabdenkmäler restaurieren lassen. Das Grünflächenamt hat gleichzeitig die Bepflanzung aufgewertet und die Wege neu angelegt. 
Nun stellte sich für das Museum die Frage, wie es dem Ort gerechter werden und den Bürgern den Friedhof besser erschließen kann.
Um für die kommenden Jahre die Maßnahmen zu bündeln, wurde ein Konzept erarbeitet, bei dem im Vordergrund die ständige Pflege des Ortes stehen soll.

   Aufwertung der Flächen

Der Peterskirchhof entwickelte sich über Jahrhunderte zu einer dreigeteilten Fläche mit einem alten, mittleren und jüngeren Abschnitt. Dieses Gebiet wurde seit Aufhebung des Friedhofs 1828 mehrfach beschnitten, sodass heute nur noch ca. 1/4 vorhanden ist. Hierdurch sind auch eine Anzahl baulicher Dinge weggefallen, die dem Ort seine stille Würde und Geschlossenheit gegeben haben. Dazu gehörten die umlaufende Mauer, der Karner und die Totenleuchte. Mit dem Abriss der mittelalterlichen Peterskirche und dem Neubau der heute existierenden wurde auch die typische Ausrichtung des Friedhofs nach Osten verwischt. Diese Entwicklung ist heute nicht mehr rückgängig zu machen, aber die Gliederung der Flächen kann wieder herausgearbeitet werden. Klick vergrößert
Dazu gehören die Sanierung der ersten Querwand hinter der Kreuzigungsgruppe an der Stephanstraße und das Schließen der zweiten Querwand auf Höhe des Podestes der heutigen Kirche. Durch diese Maßnahmen kann die schrittweise Vergrößerung des Friedhofs wieder dargestellt werden.
Wenn dies geschehen ist, können die Einzelflächen in der Darbietung überarbeitet werden.
Der älteste Teil an der Stephanstraße hat einen sich der Straße öffnenden Charakter. Er soll durch eine umfassendere Bepflanzung gehört werden.

Die Quermauer und die wertvolle Kreuzigungsgruppe könnten abends beleuchtet werden. Bei den Überlegungen wird auch die schmale Grünfläche auf der anderen Straßenseite einbezogen, denn dieses Stück ist auch Friedhofsgelände.
Der mittlere, zweite Teil soll auch weiterhin der Auffassung des
19. Jahrhunderts folgen. Damals ist das Gelände als englischer Landschaftsgarten von Sebastian Rinz angelegt worden.
Der Passant soll hier verweilen können.
Da der Friedhof auch ein Stück rares Grün in der Stadt darstellt, kommt ihm Bedeutung als Spiel- und Erholungsfläche zu. Ab Sommer 2005 sollen wieder Bänke an geeigneten Plätzen aufgestellt und die Bepflanzung verändert werden.
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Zweite Querwand Südseite mit Efeubewuchs. Hier die Grabmäler von Leonhardi und du Fay.
Foto von K. Meier-Ude. 1988

Der dritte, auf Höhe der Kirche liegende Teil wird gleichzeitig durch die schon oben beschriebenen Maßnahmen geschlossen werden. Das Historische Museum will den intimen Charakter des Ortes betonen und ihn als Skulpturengarten herausarbeiten. Dieser Teil soll später nur von geführten Gruppen betreten werden.

   Sicherung des Denkmalbestandes

Durch die stete Verkleinerung der Fläche hat sich auch der Bestand der Denkmäler verändert. Dazu kommt, dass seit der Zeit der Auflassung des Friedhofs die Denkmäler nach Gutdünken versetzt wurden. So können die meisten Grabmale nicht mehr am Originalplatz angetroffen werden. Heute ist der Bestand extrem gefährdet, durch Materialermüdung der Steine einerseits und die Aufhängung andererseits; von der Mauer ganz zu schweigen.
Klick vergrößert In einem ersten Schritt sind die Grabsteine auf Unfallgefahr hin untersucht worden. In einem zweiten werden die Platten wieder befestigt und die Mauer saniert. Durch das Einsammeln schadhafter Steine und Brocken im Feld hat das Grünflächenamt eine größere Anzahl von diversen Stücken zusammengetragen. Diese können ab Winter 2003 zugeordnet und später wieder montiert werden. Außerdem sollen die im Depot eingelagerten Platten wieder installiert werden. Durch diese Maßnahmen wird eine Grabmaldichte hergestellt, die dem alten Erscheinungsbild nahe kommt.
Links:
Unbekanntes Männerrelief vom Peterskirchhof. Alabaster, dem Bildhauer Julius Glesker zugeschrieben
Nun können die Schriften der Platten mit Farbe hinterlegt werden, um den Informationsgehalt zu steigern. In dieser Richtung sind bereits im Spätsommer 2003 erste Erfahrungen gemacht worden.

   Herausarbeiten der typischen Merkmale des Friedhofs

Zu den typischen Merkmalen des Friedhofs gehören die großen barocken Grabdenkmäler Frankfurter Bürgerfamilien, die mit steinernem Wetterhaus eingefasst sind.
Zudem hatten einige Gräber Kupferüberdachungen mit dem gefälligen Schwung des 18. Jahrhunderts. Auf diese Details soll nun besonderes Augenmerk gelegt und bei Bedarf auch eine vorsichtige Rekonstruktion vorgenommen werden.
Klick vergrößert Links:

Großes Epitaphienbuch,
hier:
Zeichnung
des Grabmals
von der Burg.
Schöpfung des Bildhauers Cornelius Andreas Donett (1683-1748)
Grabmal als Torso erhalten.

   Ergänzen des vorhandenen Materials

Klick vergrößert Unser Blickpunkt liegt nicht auf der Rekonstruktion, sondern auf dem Schutz des Vorhandenen. Wenn allerdings ein Artefakt nicht im Einzel begriffen werden kann, soll eine Hilfestellung in Form einer sparsamen Rekonstruktion vorgenommen werden.
Links:
Allegorie der Liebe vom Bethmann´schen Grabmal.
Die Figur ist aus Sicherheitsgründen der Familie Bethmann in den 70er Jahren zurückgegeben worden. Foto von 1973

   Konzept der bürgernahen Darbietung

Um Menschen an den Ort zu binden, muss ein Weg gefunden werden, der Lust zum Verweilen macht.
Dazu gehört es, dass der Passant einen ansprechenden Platz vorfindet, das heißt ein ordentliches Erscheinungsbild
und die Möglichkeit der Erfahrbarkeit des Ortes durch ein entsprechendes museumspädagogisches Konzept. Außerdem sollte der Kirchhof nach den Vitalisierungsmaßnahmen für verschiedene Veranstaltungen des kulturellen Sektors bereitgehalten werden.
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Rechts: Besuchergruppe am Denkmal der Kreuzigungsgruppe

   Museumspädagogisches Konzept

Natürlich ist es am besten, wenn das Objekt aus sich heraus erfahrbar ist. Bei einem Friedhof trifft dies auch tatsächlich – über die Inschriften – zu. Weiterhin kann über Rückkopplungen mit dem Historischen Museum ein umfassenderes Verständnis für die Geschichte des Peterskirchhofs mit einem Besuch in der Mittelalterausstellung des Hauses, aufgebaut werden. Es werden zu verschiedenen Themenstellungen Arbeitsaufträge und Stadtrundgänge für Schulklassen, aber auch für andere Gruppen angeboten. Der Friedhof eignet sich zum Beispiel, Wege der Integration von Fremden in der Vergangenheit aufzuzeigen.
Ein zu erstellendes Informationssystem vor Ort soll dem Besucher helfen, Gräber bedeutender Frankfurter zu finden. Dabei ist es wünschenswert, die historischen Persönlichkeiten plastisch vor Augen zu führen und in ihr gesellschaftliches Umfeld einzubetten.

   Einordnung des Peterkirchhofs in seiner Bedeutung in Deutschland

Nach den Informationen des Museums für Sepulkralkultur in Kassel handelt es sich bei dem Frankfurter Peterskirchhof um den letzten bedeutenden Friedhof einer freien Reichsstadt, der eine hohe Anzahl Grabdenkmäler vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert birgt. Deshalb ist dieser von kulturhistorisch überragender Bedeutung für Deutschland – wenn nicht gar für Mitteleuropa.

   Wissenschaftliche Auswertung

Erhaltung des Bestandes ist eine Sache, die Auswertung eine andere. Eine Promotion über die Geschichte des Friedhofs ist in Arbeit. Ab März 2004 soll eine Flächengrabung von ca. 60 x 20 Metern unter archäologischen und anthropologischen Aspekten stattfinden. Dabei können verschiedene Diplom- und Doktorarbeiten vom Fachbereich Anthropologie und Human-Genetik angefertigt werden. Über die Grabung erhalten wir Aufschluss über die Bestattungen der Reichen entlang der Mauer und der Armen im Feld. Besonders von Interesse sind dabei die Armengräber, da über diese nichts bekannt ist.
Die Arbeit des Fachbereichs bietet eine ganze Reihe von Erkenntnissen. Die zu bergenden Gebeine geben Aufschluss über Geschlecht, Alter, Versorgungslage, chronische Krankheiten und eventuelle Todesursache. Über DNA-Analysen können sogar Verwandtschaftsbeziehungen nachvollzogen werden.
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Ruiniertes Grabmal an der Ostseite des Kirchenpodests aus Buntsandstein

   Mithilfe - Spenden

Alles in allem wird der Peterskirchhof bei Umsetzung des Konzepts zu einem der am besten erforschten Friedhöfe in Deutschland. So gehen optische, bauliche und wissenschaftliche Maßnahmen eine gelungene Symbiose ein. Um dies verwirklichen zu können, bitten wir um Ihre Mithilfe. Der Förderverein des Historischen Museums nimmt gerne Ihre Spende entgegen. Eine steuerlich wirksame Spendenquittung wird ausgestellt.

Historisch-Archäologische Gesellschaft Frankfurt am Main e.V.
Frankfurter Sparkasse
BLZ: 50050201
Konto: 326 674