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Christian Egenolff (1502-1555), Meister des frühen Buchdruckes
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Der erste Teil des Peterskirchhofs liegt heute zerschnitten in zwei Teilen vor den Augen der Betrachter. Auf dem nördlichen Teil befindet sich die Kreuzigungsgruppe auf dem Abschnitt, der das Gesicht eines Friedhofes noch einigermaßen erkennen lässt. Der schmale Grünstreifen südlich der Stephanstrafle wird in der Regel vom Besucher als dem Kirchhof nicht mehr zugehörig, wahrgenommen. Am Ostende dieses schmalen Abschnitts, ganz in der Nähe der Einmündung der Schäfergasse steht eine hohe Platane, die an dem Punkt steht, den Lersner in seiner Chronica der Stadt Frankfurt als Grab des Buchdruckers Egenolffs angab. Heute erinnert vor Ort freilich nichts mehr an den berühmten Mann.
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foto leer Egenolff (Egenolphus), Christian. Schriftgießer, Buchdrucker und Verleger.
* 26. 07.1502 Hadamar/Westerwald, † 09. 02. 1555 Frankfurt am Main.
Nach einem humanistischen Studium an der Universität Mainz von 1516 bis 1519 wandte sich Egenolff dem Buchgewerbe zu. Ab 1524 wahrscheinlich Schriftgießer bei dem Buchdrucker Wolfgang Köpfel in Straßburg. Dort ehelichte Egenolff um 1525 (Richter) oder um 1528 (Benzing) Margarethe Karpf († 1577 Ffm.) Aus dieser Verbindung gingen elf Kinder hervor, von denen sechs früh verstorben sind. Von 1528 bis 1530 gab Egenolff in einer eigenen Straßburger Druckerei rund 50 kleinere Schriften, meist populären Inhalts und in deutscher Sprache, heraus. Am 20. 09. 1530 erbat Egenolff beim Rat der Stadt Frankfurt am Main das hiesige Bürgerrecht, das ihm bereits am 27.12.1530 verliehen wurde. Den Bürgereid legte er erst am 09. 02. 1532 ab. Noch im Dezember 1530 veröffentlichte Egenolff zwei Schriften, darunter für den Frankfurter Rat ein lateinisches Begrüßungsgedicht von Jacob Micyllus anläßlich eines Besuches Kaiser Karl V. in Frankfurt am Main. Mit dem Dichter, Humanisten und Rektor des Frankfurter Gymnasiums J. Micyllus und seinem Studienfreund, dem Juristen Dr. Justinus Gobler, verband Egenolff eine lebenslange Freundschaft und eine enge verlegerische Zusammenarbeit (Goblers "Gerichtlicher Prozess" und "Rechter Spiegel"). Egenolff gewann zahlreiche Gelehrte als Autoren.
leer Bei Egenolff ließen u. a. 1531 Jacob Köbel "Der Stab Jacobs", 1535 Hans Sachs "Der Keiser Bildnisse und Leben", 1536 Johannes Dryander seine naturwissenschaftlichen und medizinischen Abhandlungen und Sebastian Münster seine "Cosmographia. Mappa Europae", 1539 Philipp Melanchthon "Etliche Sprüch Götlicher Schrift" und Sebastian Franck seine "Chronic Teutscher Nation" drucken. Ein seit 1535 immer wieder aufgelegter Bestseller war Adam Rieses "Rechenung auff der Linien und Federen". Mit Ulrich von Hutten, Erasmus von Rotterdam, Johannes Fichard und etlichen Marburger Professoren stand Egenolff in geschäftlichem wie auch privatem Kontakt. Er redigierte die Drucke, gab auch eigene Werke heraus, z. B. die Chronica von 1535. Im Durchschnitt brachte Egenolff jährlich 20 bis 25 Drucke auf den Frankfurter Markt.
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foto leer Mit der Einführung des Buchdrucks in Frankfurt am Main begründete Egenolff Frankfurts überragende Stellung im internationalen Buchhandel, der auf den beiden Frankfurter Messen blühte und gute Absatzmöglichkeiten bot. Dank seiner Monopolstellung und seiner umsichtigen Geschäftspolitik erlangte Egenolff in wenigen Jahren großen Reichtum und Ruhm weit über Frankfurt am Main hinaus. Nachdem Egenolff 1533 für seinen Verlag mit Druckerei und Schriftgießerei das Haus Falkenstein erworben hatte, verdreifachte sich der Umsatz. Seine Schriftgießerei arbeitete nicht nur für den eigenen Bedarf, sondern belieferte auch andere Druckereien. Im September 1535 berief ihn Landgraf Philipp von Hessen als offiziellen Universitätsbuchdrucker an die neugegründete Universität Marburg. In der von seinem Faktor Andreas Kolbe geführten Marburger Filialdruckerei veröffentlichte Egenolff von 1538 bis 1543 weit über 70 Drucke, darunter 40 amtliche, die in Typographie und im Bilderschmuck das Frankfurter Niveau nicht erreichten. 1543 trat Egenolff die Marburger Filiale an seinen Faktor ab. Bereits im September 1542 hatte Egenolff in Frankfurt am Main die Häuser "Zum Wiltperg" und "Zur Alten Münze" an der Ecke Großer Kornmarkt und Sandgasse aufgekauft und niederreißen lassen, um in einem geräumigen Neubau Schriftgießerei, Druckerei, Verlag und Vertrieb zu vereinen. An dem neuerrichteten Haus Kornmarkt Nr. 20 ließ er 1543 eine lateinische Gedenktafel anbringen, die beim Abbruch des Hauses 1907 zerstört wurde.
leer Für den Grafen Reinhard zu Solms richtete Egenolff 1547 in Hohensolms eine Privatpresse ein. Um 1550 kaufte Egenolff eine Papiermühle in Gengenbach an der Kinzig im Schwarzwald. Mit der zusätzlichen Papierfabrikation vereinte er alle wichtigen Arbeitsbereiche seines Gewerbes in einer Hand. In Frankfurt am Main gab Egenolff über 430 Verlagswerke heraus.
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foto leer Sein verlegerisches Repertoire umfaßte alle Wissensgebiete seiner Zeit. In städtischem Auftrag publizierte Egenolff 1531 die Frankfurter Ratsverordnungen und die Goldene Bulle Kaiser Karl IV. 1532 ließ der zur Reformation übergetretene Frankfurter Rat bei dem lutherischen Drucker Egenolff die "Notel von der Abthuung der Mess" veröffentlichen, die sich mit der Abschaffung des katholischen Meßopfers befaßte. Sein Verlagsprogramm umfaßte neben gut illustrierten medizinischen, anatomischen, naturkundlichen, geometrischen, astronomischen und militärischen Abhandlungen theologisch, humanistische und juristische Schriften sowie Länderbeschreibungen, Chroniken und Genealogien, aber auch praktische Ratgeber wie z. B. Rechen-, Kräuter-, Koch- und Schachbücher, ferner Kalender und andere Erbauungsschriften, z. B. die erste hochdeutsche Übertragung des Reinecke Fuchs 1544.
Zu den bedeutenden Werken der rund 35 von Egenolff verlegten medizinischen Bücher gehören u. a. die „Wundartzney und der Chirurgen handwirckung" des Paracelsus, die von Walter Ryff herausgegebene "De medicinali materia des Dioscorides" und "Heymlicheyten Alberti Magni allen Hebammen und kindtbaren Frawen dienlich", die "Hausapothek zu yedem leibs gebrechen" sowie die "Ordenung und Regiment, sich vor der überscharpffen und giftigen Krankheit der Pestilenz zu enthalten".
leer Berühmt wurde Egenolff auch als Erneuerer des Musiknotendrucks, da er nach französischem Vorbild den teuren, aufwendigen Doppeltypendruck auf den preiswerten, durchgehenden Notendruck im 5-Liniensystem umstellte. Von den 17 Musikdrucken sind die 1538 erschienenen "Gassenhauwer und Reutterliedlein" am bekanntesten. Seinen verlegerischen Erfolg verdankt Egenolff weniger den fachwissenschaftlichen Werken als vielmehr seinen populären, allgemein verständlichen und gut illustrierten Büchern. Er sicherte seiner Buchproduktion einen großen Abnehmerkreis durch reichen Dekor der Titelblätter und Holzschnittillustrationen in den Texten. Dafür holte Egenolff eigens den aus Nürnberg stammenden Formschneider Hans Sebald Beham nach Frankfurt am Main. 1533 erschienen die von Beham figürlich nachgebildeten "Biblischen Historien", die allein sieben Auflagen kurz hintereinander erlebten. Noch berühmter waren Behams Illustrationen der 1534 verlegten Egenolff´schen Bilderbibel, ein Nachdruck der kurz zuvor in Wittenberg gedruckten deutschen Bibelübersetzung von Martin Luther. Nach Behams Tod 1550 ließ Egenolff Holzschnitte anfertigen von Hans Leonhard Schäuffelin ("Leben und Sterben Christi", 1550), Hans Burgkmair ("von Gebure und Billicheit", 1550), Hans Weiditz ("Die kleine Bibel, 1549; "Novum Testamentum" und "Sanctorum et Martyrium icones", 1551) und von Konrad Faber den Belagerungsplan von Frankfurt am Main 1552. Ferner erwarb Egenolff den Nachlaß des Augsburger Druckers Heinrich Steiner zu Petrarcas Trostspiegel und die Holzstöcke des Theuerdank.
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foto leer Da zu Egenolffs Zeiten das Urheberrecht noch nicht gesichert war, gab es häufig Nachdrucke. Auch Egenolff verantwortete sich 1533 in einem Reichskammergerichtsprozeß gegenüber dem Vorwurf des Straßburger Verlegers Johann Schott wegen des Nachschnitts von 230 Illustrationen von Hans Weiditz. In seiner Verteidigungsschrift führte Egenolff den Grundsatz der Verjährung des Urheber- und Verlagsrechts an. In literarischen Flugschriften verteidigte sich Egenolff gegen die Anschuldigung der unbefugten Veröffentlichung einer Vorlesungsnachschrift des Juristen Konrad Lagus 1543 und gegen die Angriffe des Baseler Botanikers Leonhard Fuchs den Nachdruck eines Kräuterbuchs betreffend. Auch Egenolff klagte vor Gericht seine Rechtsansprüche gegenüber säumigen Schuldnern ein. Nach der Verleihung des kaiserlichen Privilegs, 1553, das jeden Nachdruck seiner Werke und Vertrieb derselben bei Strafe verbot, erzwang Egenolff noch im gleichen Jahr die Auslieferung von in Lyon nachgedruckten Büchern, die der Buchdrucker Gottfried Beringer während der Frankfurter Messe angeboten hatte.
leer Nach dem Tod Egenolffs 1555 übernahm seine Frau Margarethe den Verlag mit Druckerei und Papiermühle, sowie ein stattliches Vermögen nebst Häusern, Wiesen und Weingärten. Als unabhängige Geschäfts- und Vermögensverwalterin leitete sie bis 1572 das Unternehmen mit Unterstützung ihrer Schwiegersöhne unter dem Namen "Egenolffs Erben". Die Stadt Frankfurt am Main gestattete ihr, am 19.11.1555 den Bürgerinneneid zu leisten. In dem Erbteilungsvertrag von 1572 übereignete sie den Verlag mit Druckerei ihren Kindern, die den Betrieb noch bis 1605 weiterführten.
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foto leer Die Schriftgießerei überschrieb sie ihrer Enkelin Judith, der Tochter ihres bereits 1566 verstorbenen Sohnes Christian Egenolff, der seit 1553 Prediger an der Frankfurter Peterskirche gewesen ist. Zusammen mit ihrem Gatten Jacob Sabon führte Judith Egenolff die Schriftgießerei als selbständiges Unternehmen weiter, das noch bis ins 18. Jahrhundert unter dem Namen Egenolff-Lutherische Schriftgießerei weiterbestand. Christian Egenolff d. Ä. wurde auf dem Friedhof der Peterskirche begraben. Auf seinem prächtigen, nicht mehr erhaltenen Epitaph würdigte eine Inschrift Egenolff als ersten Buchdrucker Frankfurts und gab das Druckerzeichen Egenolffs wieder: Ein Altar mit einem im Feuer brennenden Herzen. Sein Porträt ist in zwei verschiedenen Holzschnitten überliefert, erstmals 1555 auf dem Trauerzettel Egenolffs, später auf Titelblättern der von Egenolffs Erben gedruckten Werke. Nach diesen Darstellungen hat 1858 Eduard Schmidt von der Launitz die Statue Egenolffs auf dem Gutenbergdenkmal am Roßmarkt geschaffen. Egenolffs Name lebt noch heute weiter in der Egenolffstrasse in Bornheim. - PATRICIA STAHL
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foto leer Die Grabstätte von Christian Egenolff (1502 - 1555) auf dem Peterskirchhof in Frankfurt am Main ist heute nicht mehr nachweisbar. Jedoch ist in "Lersner‘s Chronica 1734; Das Zweite Buch / Cap. XXVIII St. Peterskirchhof Frankfurt am Main: Erster Teil, Seite 138, Pos. 167" die Inschrift des Grabsteines vermerkt:


PIETAS AD OMNIA UTILIS EST. TIM, 4. HUMANITAS. EPITAPHIUM. HIC JACEO EGNOLPHUS CHRIST. DE NOMINE DICTUS. HACQUE CHALCOGRAPHUS PRIMUS IN URBE FUI. OBII CHRISTIANUS EGNOLPHUS HADAMARIUS. AN. DOM. 1555. ÆTATIS SUÆ 53. AB INVECTA VERO À SE PROMO IN HANC VRBEM TYPOGRAPHICE AN. 25. CIVIS DEFUNCTI MEMORIÆ. MARGRETHA VXOR & LIBERI SUPERSTIRES M. P. C.
Bild links zeigt die fiktive Grabplatte des "Christianus Egnolphus" † 1555 (Grafik © Fester, 2014)
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foto leer Quelle der oben angeführten Zusammenfassung von Patricia Stahl:
Frankfurter Biographie, W. Klötzer, S. Hock u. R. Frost, Verlag: Waldemar Kramer Verlag, Frankfurt am Main
Biographische Nachschlagewerke über Frankfurter Persönlichkeiten erschienen vor allem seit dem 19. Jahrhundert, wobei insbesondere solche für Frankfurter Künstler erwähnenswert sind, die sogar zum Teil nachgedruckt worden sind. Die Erstellung eines allgemeinen biographischen Lexikons für Frankfurt gehörte zu den ersten Projekten der 1906 gegründeten Frankfurter Historischen Kommission; es konnte nach mehreren abgebrochenen Versuchen erst in den 80er Jahren erneut in Angriff genommen werden und rechtzeitig zur 1200 Jahrfeier 1994 erschien dann der 1. Band (481 Seiten) und 1996 der zweite Band (596 Seiten). Ausgabe leider vergriffen.
Danke an den Verlag für die freundliche Erlaubnis, aus dem historischen Nachrichtengehalt hier zu zitieren.
Grafik ©Fester

© Harald Fester (2014)

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